Das Multiversum von Barcelona

KULTUR.IMPULS / Das Multiversum von Barcelona
Das Multiversum von Barcelona

Lluís Bussé präsentiert ein erstaunliches und imaginäres Barcelona mit einer Fotocollagen-Ausstellung im Palau Robert (bis 11.09.2012)

Lluis Bussés Fotomontagen befinden sich oft im surrealistischen Grenzbereich von Träumen: Da findet man die berühmte Sühnekirche der Heiligen Familie neben dem Strand von Mar Bella, oder einen Surfer, der auf den Wellen des Meeres auf der Plaça Catalunya reitet… Das sind die zwei aufsehenerregendsten und erstaunlichsten Bilder der Ausstellung “Barcelona’s Multiverse” im Palau Robert.

Strand vor der Kirche Sagrada Familia (c) L. Bussé

Der Fotograf und Philosoph nimmt den Besucher mit auf einen Spaziergang durch ein nicht existierendes und fesselndes Barcelona, das durch das Zusammenfügen verschiedener Stadtbilder entstanden ist. Bussé stellt Bilder von bekannten Stadtattraktionen und -denkmälern einander gegenüber und verbindet sie – dadurch entsteht eine Stadt mit alternativen und faszinierenden Szenarien: Nachdem er die Stadt in aller Intensität erforscht und Tausende von Fotos gemacht hat, erschafft Bussé so ein neues Barcelona, ein Paralleluniversum, das überrascht und eine originelle und ungewohnte Sicht auf die Stadt bietet.

Die Multiversum-Theorie          

Diese Kreativitätsübung des Fotografen basiert auf der “Multiversum”-Theorie des Mathematikers Hugh Everett: Unser Universum ist nur eines der unendlich vielen möglichen Universen. Der Physiker Max Tegmark bestärkt diese Idee durch die Einteilung der existierenden Universen in zwei verschiedene Ebenen. Das „Multiversum“ der ersten Ebene deutet auf eine Existenz von Paralleluniversen, die den gleichen physikalischen Gesetzen und Konstanten unterworfen sind wie das unsere und die deshalb natürlich verblüffende Ähnlichkeiten zu dem uns bekannten Universum aufweisen. In diesem Sinne ist Bussés Barcelona widersprüchlich: Es wirkt gleichzeitig real und traumartig. “Der Betrachter merkt sehr bald, dass das, was er sieht, nicht wahr ist, aber er fühlt sich von einer derartigen Lüge angezogen”, behauptet Bussé. Deshalb hat der Fotograf keine der 38 Fotografien retuschiert, um ihre physikalischen Eigenheiten zu erhalten.

Surfer auf der Plaça Catalunya. (c) L. Bussé

Venezianische Kanäle in Barcelona

Die Ausstellung ist in drei Sektionen geteilt: Die erste zeigt bekannte Bauwahrzeichen der Stadt in ungewohnter Umgebung, die zweite entwirft ein Bild von einem mit venezianischen Kanälen durchzogenen Barcelona, und die dritte beinhaltet die Darstellung der Stadt, als wenn sie direkt am Strand gebaut wäre. Alle Bilder sind schwarz-weiß und ebenfalls in dem Band Barcelona’s multiverse enthalten, zusammen mit Texten von verschiedenen Autoren, die ihre Gedanken zur „Multiversum“-Theorie äußern.

Bussé kombiniert verschiedene Disziplinen miteinander – er versucht, Kunst und Wissenschaft miteinander zu verquicken, diesmal eben Fotografie und Kosmologie, die philosophische Disziplin, bei der sich alles um die Entstehung und Zusammensetzung des Universums dreht. Besuchern steht die Ausstellung “Barcelona’s Multiverse” in der Ausstellungshalle 2 des Palau Robert noch bis zum 11. September offen.

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